Adam Johnson – Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

Technische Daten:

Bookcrossing: http://www.bookcrossing.com/journal/13327436/
ISBN: 978-3518464250
Seiten: 687
Erscheinungsjahr: 2013

Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus »Frohe Zukunft«, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des »Geliebten Führers« Kim Jong Il. Nur ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen. Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben.

Das Buch ist in zwei Teilen aufgebaut. Im ersten Teil ist in der Ich-Perspektive aus Jun Dos Sicht geschrieben. Die Kindheit im Waisenhaus, dann auf einem Schiff, welches mehr oder weniger Wahllos Japaner entführt hat, dann als Funker auf einem Fischerboot, dann als Held in Amerika. Alles linear. Im zweiten Teil wird aus drei Perspektiven zu verschiedenen Zeiten erzählt: Nach der Amerika-Reise kommt Jun Do in ein Gefängnislager, dort bricht er aus und gibt sich als Kommandant Ga aus, dem Mann von Sun Moon und lebt mit ihr und ihren Kindern. Die Amerikaner starten einen Gegenbesuch, den Jun Do vorbereiten soll. Er sieht diesen Besuch als Chance zur Flucht, wird aber dabei gefangen genommen und kommt wieder in ein Lager, diesmal in die Folterkammer. Der zweite Teil wird aus der Sicht des vermeintlichen Kommandanten Ga, von den Propagandalautsprechern und dem Folterknecht erzählt, in verschiedenen Zeiten. Da findet man sich aber ganz gut durch.

Das Buch war das neueste mit einem Pulitzer-Preis, welches mich auch vom Thema interessiert hat. Ich kann nicht bewerten, wie realistisch das Leben in Nordkorea geschildert wurde. Aber ich habe regelmäßig bei der Schilderung der Armut und der Bestrafungen den Kopf geschüttelt und Bauchschmerzen bekommen.

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